Krisen- / Change- management

Erfahrungen mit externen Krisen

Massive Einflüsse aus dem wirtschaftlichen, sozialen oder politischen Umfeld wirken direkt auf die wirtschaftliche Situation des Unternehmens, seine Ergebnissituation und Überlebensfähigkeit ein.

Beispiel Mexikokrise (1995): die Krise in Mexiko übte einen starken Einfluss auf die Stabilität des gerade begonnenen PLANO REAL und damit auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Unternehmens in Brasilien aus. Das Unternehmen musste auf schnelle und flexible Reaktionen im Vertrieb (Preisgestaltung) und Importverhalten eingestellt werden.

Beispiel Währungskrise Brasilien (1998/99): Der stark überbewertete Brasilianische Real wurde nach 3 Jahren des PLANO REAL im Januar 1999 mit einer Maxiabwertung korrigiert. Im Vorfeld der Gerüchte um eine solche Abwertung wurde die Kostenstruktur des Unternehmens massiv angepasst. Direkt nach der Abwertung wurden Preise täglich angepasst und Preisflexibilisierungen mit den Kunden umgesetzt. Im Ergebnis wurde das Jahr 1999 für das Unternehmen eines der erfolgreichsten der Geschichte.

Beispiel Währungskrise Argentinien 2002): Nach einigen Jahren des Wirtschaftswachstums insbesondere auf Grund von Staatsverkäufen musste der Kurs des Peso aufgegeben und frei konvertierbar werden. Das führte in kurzer Zeit zu massiven Wertverlusten. In der Anfangsphase des Währungsverfalls ging es darum Liquidtät in Hartwährung zu sichern. Über vorgezogene Rohstoffkäufe konnten erhebliche Reserven für die Geschäftsentwicklung gelegt werden – auch die Währungssicherung konnte hiermit größtenteils erreicht werden. Nach Stabiliserung eines neuen Gleichgewichtes mussten auch hier Verkaufspreise und Zahlungskonditionen neu verhandelt werden und die Strukturkosten angepasst werden.

Beispiel Wirtschafts- und Finanzkrise Europa (2008/09): der massive Rückgang der Nachfrage traf zunächst und vor allem die Automobil- und verwandte Industrien. Mit einem hohen Umsatzanteil in diesen Branchen mussten in kurzer Zeit Kosten und Struktur angepasst werden – Kurzarbeit und Anpassungen der Produktionskapazitäten waren notwendig. Hierfür wurde eine unternehmensspezifisches Konzept (5xK: für Kunden-Kommunikation-Kosten-Konzentration-Kapital oder in Englisch 5xc: für customer, communication, costs, concentration-cash) entwickelt mit dem das Unternehmen und die Führungsmannschaft durch die Krise geführt wurden.

 

Erfahrungen mit Change (oder Veränderungs-) management

Hierbei handelt es sich i.d.R. um freiwillige oder vom Unternehmen selbst angestoßene Veränderungen.

PMI-Projekt 1994: Ziel ware die Neuausrichtung des Controlling, Definition der Kennzahlen und des Reporting in einer Tochtergesellschaft im Anschluß an den Kauf dieses Unternehmens, Deutschland, 6 Monate, 1994

Die Jahrtausenwende hat alle Unternehmen und Organisationen 1999 in Atem gehalten. Niemand wusste wie Computer, Systeme etc. reagieren würden und ob sie „Jahrtausend-fähig“ waren. Als Teil des Konzernprojektes wurde hier die Projektorganisation für Südamerika übernommen und alle Maßnahmen definiert und rechtzeitig umgesetzt. Im Ergebnis gab es keinerlei Störungen bei der Umstellung „auf 4 Stellen in der Jahreszahl“.

Die zunehmende Zusammenführung der 3 Gesellschaften in Südamerika erforderte ab einem bestimmten Zeitpunkt die Vereinheitlichung und Implementierung eines neues ERP-System. Einher ging ebenfalls die Vereinheitlichung von Buchhaltung und Reportingstandards in den Gesellschaften in Argentinien, Brasilien und Chile. Das Projekt wurde schrittweise von 2001-2003 umgesetzt und hatte im Ergebnis ein ERP-System mit (teilweise) einheitlichen Stammdaten und schnelleren Analyse- und Steuerungsmöglichkeiten.

Die Gesellschaft in Mexiko hatte ihren Standort verlegt. Durch den Umzug verlor die Gesellschaft mehr als 50% der Personalstruktur. Auch die Aufbau- und vor allem die Ablauforganisation stimmte nach dem Umzug nicht mehr. Das Unternehmen kam in eine massive Wirtschafts- und Vertrauenskrise. Auf Ersuchen der Konzernführung wurde hier eine Sanierungskonzept aufgesetzt – wesentliche Bestandteile: Neuordnung des Finanz-und Rechnunswesens sowie des Controlling, Kosten- und Strukturanpassungen, Vertriebs- und Verkaufsschulungen, Verstärkung des lokalen Managements.Nach knapp 1 Jahr war das Vertrauen wieder hergestellt und der break even erreicht. In der Folge wurde das Unternehmen durch das verstärkte lokale Management wieder in die Gewinnzone geführt.

Der Teilkonzern hatte die Errichtung eine Zentrallagers entschieden und alle Geschäftsbereiche mussten schrittweise ihre eigenen Fertigwarenlager in das Zentrallager überführen. Die Einführung eines Zentrallagers stellt eine komplette Umstellung nicht nur der logistischen Prozesse sondern auch der Verkaufsprozesse dar. Die Verantwortung für die Umsetzung des Projektes wurde durch einen Lenkungsausschuß übernommen – die Verantwortung für den Geschäftsbereich wurde vom verantwortlichen  Geschäftsführungsmitglied wahrgenommen. Das Konzept des Zentrallagers konnte für den Geschäftsbereich konnte erfolgreich umgesetzt werden.

Beispiel Solarbranche: Die Solarbranche boomte auf Grund der EEG-Förderung und der damit verbundenen hohen Nachfrage über Jahre hinweg. Immer mehr Marktteilnehmer auf allen Stufen der Wertschöpfung konkurrierten um diese überhöhte Nachfrage. Insbesondere Unternehmen aus Asien wurden in kurzer Zeit zu Marktführern bei Solarmodulen. Durch die massive Rückführung der Förderungen einerseits und die im Laufe der Jahre geschaffenen Überkapazitäten in der Produktion, kam es seit 2011 in der Branche zu massiven Preisverlusten und einem brutalen Konzentrationsprozess des Marktes. Das Unternehmen musste massiv zurückgefahren werden – gleichzeitg mussten Abläufe und die Organisation effizienter und effektiver gestaltet werden. Durch den Rückzug der Finanzierungsmöglichkeiten (Banken und Warenkreditversicherer) wurde insbesondere dem Handel eine der überlebensnotwendigen Grundlagen entzogen. Ein Fusionskonzept mit einem Mitbewerber hätte trotz dieser Umstände das Überleben des Unternehmens sichern können – dieses scheiterte jedoch durch eine externe Einflussnahme. Letztlich musste Insolvenz angemeldet und umgesetzt werden.

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